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Fakultät für Informatik

Geschichte der Fakultät

Nach einem Beschluss der Landesregierung im Juni 1962, in Dortmund eine Technische Hochschule zu errichten (ab 1965: eine Universität), wurden in den Strukturplänen des Gründungsausschusses der Universität Dortmund von 1965 bzw. 1967 zunächst die klassischen Ingenieurdisziplinen mit einer starken Ergänzung durch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften vorgesehen. Informatikrelevante Lehrstühle dieser Strukturpläne waren in der Abteilung Elektrotechnik der Lehrstuhl für „Nachrichtentechnik und Datenverarbeitung“ und in der Abteilung Mathematik der Lehrstuhl für „Instrumentelle Mathematik“ – die fachliche Gliederung geschah damals in Abteilungen, welche später „Fachbereiche“ und schließlich „Fakultäten“ wurden. Die offizielle Gründung der Universität Dortmund erfolgte am 16. Dezember 1968.

Chronologie der Gründung
Nur kurze Zeit nach Gründung der Universität Dortmund im Jahr 1968 beginnt eine äußerst stürmische Entwicklung für die Gründung einer eigenen Abteilung für Informatik und für einen Informatikstudiengang, die entscheidend von einem Mitglied des Senats der Universität, Professor Frank Münnich, Abteilung Wirtschaftswissenschaften, vorangetrieben wurde. In einem Vermerk des Aufbaustabs der Universität vom 31. März 1969 wurde zum ersten Mal ein Studiengang Informatik mit 35 Anfängern und einem Endausbau von 175 Studierenden erwähnt. In der Beantwortung eines Schreibens wurde dem (damals zuständigen) Kultusministerium am 24. Juli 1969 mitgeteilt, dass drei neue Abteilungen, eine davon Informatik, an der Universität Dortmund vorgesehen seien. Das Strukturkonzept sah 6 Lehrstühle für Mathematische und elektrotechnische Grundlagen (Theorie mathematischer Maschinen, Schaltalgebra, Informationstheorie, Nachrichtentechnik) sowie Anwendungsbereiche (Symbolische Sprachen, Dokumentation, Systemanalyse, Kybernetik – Simulation) bei 35 Studienanfängern und Studienanfängerinnen bei einem Endausbau von 175 Studierenden vor. Ein Informatikgebäude sollte 1978 bezugsfertig werden. Den Vorsitz des Gründungsausschusses übernahm der neu an die Abteilung Mathematik berufene Professor Manfred Reimer, der ebenfalls mit allen Kräften die Entwicklung der Abteilung Informatik vorantrieb und von diesem Zeitpunkt an die entscheidende Kraft für deren Etablierung von der Entwicklung struktureller Vorstellungen bis zur Besetzung der ersten Professuren war.
Der Strukturplan III der Universität sah dann 11 Lehrstühle für Informatik vor. Als Fachgebiete der Lehrstühle wurden die klassischen Gebiete „algebraische Strukturen“, „analytische Strukturen“, „numerische Algorithmen“, „Automatentheorie“, „Formale Sprachen“, „Betriebssysteme“, „Programmiersysteme“, „Kontrolltheorie“, „Elektronische Schaltelemente“, „Statistik (Informationstheorie)“ und „Simulation“ vorgeschlagen. Die Informatik wurde dabei als eine fächerverbindende Runddisziplin mit starken Wechselwirkungen mit den naturwissenschaftlichen, den ingenieurwissenschaftlichen und den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächern gesehen. Nachdem mit der Besetzung von drei Professuren die Bedingung zur Gründung einer Abteilung an der Universität im Laufe des SoSe 1972 erfüllt war, genehmigte das Wissenschaftsministerium am 25. September 1972 die Gründung der Abteilung Informatik. Die Vertreter für die 1. Abteilungsversammlung Informatik wurden in einer Vollversammlung am 24. Oktober 1972 gewählt (Professoren: Volker Claus, Bernd Reusch, Lutz Richter; wiss. Mitarbeiter: Otthein Herzog, Arno Zeyn; Studierende: Hans-Jürgen Kugler, Heinz Drews; wahlberechtigt waren 3 Professoren, 7 wiss. Mitarbeiter und 58 Studierende). Als offizieller Gründungstermin der Abteilung Informatik gilt der 8. November 1972, an dem die konstituierende Sitzung der Abteilungsversammlung mit der Wahl von Volker Claus zum Dekan und Bernd Reusch zum Prodekan stattfand. Damit war die Aufgabe des Gründungsausschusses unter dem Vorsitz von Herrn Reimer erfolgreich abgeschlossen und die Abteilung Informatik begann, ihre eigenen Vorstellungen von Forschung und Lehre in die Realität umzusetzen.

Besetzung der Professuren
Die Berufung der Professoren gestaltete sich in Dortmund über viele Jahre hinweg recht schwierig. Dies galt insbesondere in den Gründungsjahren. Einer der wichtigsten Gründe war neben der Konkurrenzsituation um berufungsfähige Wissenschaftler die Aufbausituation der neugegründeten Universität Dortmund. Im Zweifel hatte die neue Universität das Nachsehen, wenn ein Wissenschaftler alternativ einen Ruf an eine renommierte Hochschule mit langer Tradition bereits hatte oder wenn ein Ruf doch zumindest in Aussicht gestellt wurde. Schließlich konnten dann doch die drei ersten Professoren im Sommersemester 1972 berufen werden.
Die Reihenfolge der Rufannahme war:


Prof. Dr. Lutz Richter für den Lehrstuhl informatik III „Betriebssysteme“ am 20. Juni 1972,
Prof. Dr. Volker Claus für den Lehrstuhl informatik II „Formale Sprachen und Grundlagen der Programmierung“ am 22. Juni 1972,
Prof. Dr. Bernd Reusch für den Lehrstuhl informatik I „Automatentheorie“ am 5. Oktober 1972.

Die weiteren Berufungen bis zum Jahre 1976 erfolgen in der Reihenfolge

Prof. Dr. Jörg Mühlbacher für „Datenstrukturen, Informationssysteme“ am 28. November 1973,
Prof. Dr. Hans-Dieter Ehrich für „Automatentheorie“ am 1. März 1974,
Prof. Dr. Burkhard Monien für „Rekursive Funktionen, Komplexitätstheorie“ am 1. April 1975,
Prof. Dr. Heinz Beilner für den Lehrstuhl Informatik IV („Modellierung, Leistungsanalyse von Rechensystemen“) am 1. März 1976,
Prof. Dr. Claus Unger für „Betriebssysteme, Rechnerverbundsysteme“ am 20. September 1976.


Aufbau des Diplom-Studiengangs Informatik
Die Aufnahme des Studienbetriebs erfolgte zum Wintersemester 1972/73. Von Anfang an soll-
ten Theorie und Praxis im Studiengang Informatik gleichwertig sein; deshalb war ein ausgewogenes Angebot von Veranstaltungen über Grundlagen der Informatik und über angewandte Informatik vorgesehen. Als Nebenfächer standen bereits ab dem Sommersemester 1973 die Fächer Mathematik, Physik, Elektrotechnik, weitere Ingenieurwissenschaften, Statistik und Wirtschaftswissenschaften zur Auswahl.

Lehrangebot
Die ersten beiden Lehrveranstaltungen werden im Sommersemester 1972, also noch vor der offiziellen Gründung der Abteilung, angeboten. An der Vorlesung „Grundlagen der Programmiersprachen“ (Claus) mit Übungen (Huwig) nahmen ca. 30 Hörer/Hörerinnen teil, in den Übungen erwarben 5 Personen einen Schein. Daneben fand ein Seminar über Entscheidbarkeit“ (Claus) statt. Im Wintersemester 1972/73 wurden bereits 14 Lehrveranstaltungen angeboten, darunter die Vorlesungen „Rechnerstrukturen“ (Claus), „Betriebssysteme“ (Richter), „Schaltwerke und Schaltkreise“ (Reusch) und die erste Veranstaltung nach einem neuartigen Konzept, der „Projektgruppe“, die den Titel „LR(k)-Analysator“ hatte (Zumkeller, Claus). Ebenfalls im Wintersemester 1972/73 fand eine Veranstaltung mit dem Titel „Recht der Informatik“ über Verlags- und Urheberrecht von Dr. Schwaiger mit dem Ziel statt, auch auf die rechtlichen Konsequenzen von Informatiksystemen einzugehen. Zugleich führte Prof. Steinmüller eine „Arbeitsgemeinschaft über Rechtsinformatik“ durch. Die Bezüge der Informatik zu gesellschaftlichen Entwicklungen hat in Dortmund also eine lange Tradition. Im Sommersemester 1973 wurden 16 Lehrveranstaltungen angeboten, darunter „Programmierung“ (Claus), „Datenstrukturen“ (Richter) und „Automatentheorie“ (Reusch). Bereits im Sommersemester 1973 bot Volker Claus eine Veranstaltung „Seminar für Lehrer (Fortbildung in Informatik)“ an. Auch nach der Gründungsphase Anfang der 70er Jahre erarbeitete die Informatik der Universität Dortmund neue Konzepte für das Studium. Die Dortmunder Beiträge zur Entwicklung der Lehre in der deutschen Hochschulinformatik sind vielgestaltig und selbst im Rückblick nach 50 Jahren erstaunlich aktuell. Hervorzuheben sind:
„Projektgruppen“ als Lehrveranstaltungsform, Studiengang „Ingenieurinformatik“ (heute: angewandte Informatik), Berücksichtigung der „gesellschaftlichen Bezüge der Informatik“ in der Lehre, Lehreraus- und Weiterbildung.

Fazit
Durch diese Festlegungen hatte die Informatik an der Universität Dortmund eine solide Grundlage, auf der sie stetig wachsen und gedeihen konnte.